vom 9. August 2002
Liebe Nicole Mazzoni, lieber Rüdiger Weiß-Mazzoni, liebe Hochzeitsgemeinde!
www.mazzoni.de – das ist wohl eine Internetadresse, die in den letzten Wochen besonders oft angeklickt wurde, von Euren Freundinnen + Freunden aus Hemelingen, Weyhe und von weiter her, von Euren Familien, und vielen Hochzeitsgästen – und auch ich habe natürlich nachgesehen, was sich so tut bei Euren Hochzeitsvorbereitungen.
Dass da jemand mit großem Sachverstand und mit viel Spaß + Freude an der Gestaltung dieser Seiten gesessen hat, das erkennt man sofort. Da merkt man, dass da ein Informatiker hinter steckt, der alles dokumentiert und auf dem neusten Stand hält.
Und dann in den letzten zwei Wochen:
die ersten Events für die Hochzeit haben stattgefunden: Junggesellenabschiede, Hochzeitsbitter, der Kauf des Hochzeitsanzuges, der Polterabend– viele Fotos zeigen die fröhliche und ausgelassene Stimmung, die rund um diese Hochzeit und das Haus Mazzoni herrscht.
Und eine Hochzeit gerade zu diesem Zeitpunkt, das passt sich gut, denn so konnte gleichzeitig das Klinkenputzen am gestrigen 30. Geburtstag vermieden werden. Denn: ebenfalls seit gestern geltet Ihr ja mit Eurer standesamtlichen Hochzeit in Bremen vor dem Gesetz als Mann und Frau.
Eine Hochzeit ist für uns ein ganz wichtiges und einschneidendes Ereignis. Da treffen zwei liebende Menschen die Entscheidung, zusammenzubleiben, einmal eine neue Familie zu gründen und in guten wie in schlechten Tagen füreinander da zu sein. Sie möchten sich lieben und gemeinsam durchs Leben gehen als Freunde und Partner.
Alle, die Ihr kennt und die Euch wichtig sind, sollen an Eurer Hochzeit teilhaben und mit Euch feiern. Dazu habt Ihr alles ganz genau geplant und auch die Freunde haben viel für Euch vorbereitet. Da wird fast kein Brauch ausgelassen, denn wenn wir Grund zur Freude haben, ist es umso schöner, sie mit anderen teilen zu können.
Heute nun sind wir hier in der Kirche versammelt zu Eurer kirchlichen Trauung. Das ist die „Kür“ – wie Ihr es genannt haben.
Ihr habt für Euch entschieden:
„Wir wollen auch kirchlich heiraten und Gottes Segen für unsere Ehe erbitten.“
Und das hier in Kirchweyhe, in der Kirche, in der Sie, liebe Frau Mazzoni, schon konfirmiert sind.
Die kirchliche Trauung mag uns daran erinnern, dass das Gelingen einer Ehe nicht selbstverständlich ist, dass es gut ist, wenn wir uns bei diesem wichtigen Lebensschritt nicht nur auf uns selbst verlassen, sondern dass wir uns auf unserem gemeinsamen Weg, Gottes Schutz und seiner Liebe anvertrauen.
Als Leitspruch für Euren gemeinsamen Weg habt Ihr Euch einen Vers aus dem Buch des Predigers Salomo ausgesucht.
In ihm heißt es:
„So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen so hilft ihm der andere – oder die andere - auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft“ (Koh 4,9f).“
Was da in diesem Vers ausgesprochen wird, entspricht sicherlich Eurer Erfahrung in den neun Jahren, die Ihr nun zusammen seid.
Zu zweit geht’s besser als allein.
Neun Jahre, die die Geschichte einer Liebe schreiben. Es ist die Geschichte gemeinsamer Wandlungen, Phasen des Ausprobierens, der Distanznahme, des Näherkommens und der gemeinsamen Planung.
Jeder könnte für sich alleine leben, sein oder ihr Leben meistern und es zu etwas bringen, aber dann würde Euch etwas fehlen: ein Gegenüber, ein Gesprächspartner, ein Mensch, mit dem Ihr Euer Glück und Eure Freude teilen könntet.
Allein könntet Ihr Euch schnell selbst verlieren.
Ihr würdet vielleicht bei der Arbeit in der Computerbranche oder in der Anwaltskanzlei aufgehen oder vielleicht auch untergehen, Eure Tage so gestalten, dass sie eine einzige Hetzjagd wären, und es doch leer bliebe in Eurer Wohnung und in Euren Herzen.
Denn wir Menschen leben von der Nähe eines Menschen, der uns liebt und achtet, begleitet und berät, kritisiert und zurechtrückt, der uns annimmt und zu uns hält.
Jeder von Euch beiden kommt aus einer Familie, die Euch auf den Weg gebracht hat – sei es in Blender + in Bremen oder hier, in Kirchweyhe. Ihr und Eure Geschwister wurdet ausgestattet mit den ersten Eindrücken, wie Menschen miteinander umgehen, sich nahe oder ferne sind, wie Menschen füreinander sorgen oder sich gegenseitig Sorgen machen können, was sie glauben und lieben.
Getroffen haben sich Eure beiden Wege dann in Bremen, während der Studienzeit und zwar beim Geldverdienen im McDonald's-Restaurant neben dem Jura- oder Informatikstudium. Weil Sie, Herr Weiß-Mazzoni, der Vorgesetze ihrer heutigen Frau waren bei der Ausbildung zur Restaurantleitung, mußte die Liebe und Zuneigung zueinander zunächst geheimgehalten werden - und das war sicherlich gar nicht so einfach.
Dennoch seid Ihr zusammengekommen und habt das gemeinsame Leben und Wohnen hier in Kirchweyhe und in Bremen erprobt.
Wenn zwei zusammen sind und heiraten, sind sie nie nur allein. Bei so einer Verbindung kommen sich Familien näher und teilen miteinander das Glück, Freundeskreise und Lebenswelten treffen zusammen und überschneiden sich von nun an.
Da sind z.B. die Hemelinger Freunde, mit denen man gut Doppelkopf spielen kann, während die Frauen sich zum Romme-spielen oder kochen verabreden. Und da sind die Weyher Freundinnen noch aus der Schulzeit, mit denen der Urlaub am Strand so richtig Spaß macht.
Und dass Euer Freundeskreis sehr groß ist, dass es viele Menschen gibt, die es gut mit Euch meinen und sich mitfreuen, sieht man auch heute hier in der Kirche. Und das ist ein wahrer Segen.
„Zu zweit geht’s besser als allein“, das heißt auch, sich aufeinander einstellen, wissen, wer wann ansprechbar ist und wann nicht, wie das Leben miteinander gestaltet werden kann, wie sich Aufgaben verteilen lassen und man miteinander zurechtkommt.
Jeder von Euch bringt seine eigenen Fähigkeiten mit in die Ehe, eigene Vorlieben, Interessen und Eigenarten
– das ist bei unserem Bräutigam sicherlich der Computer, der fast allgegenwärtig ist und ihn fast überall hin begleitet. Dann die viele Arbeit, die eine Führungsposition so mit sich bringt, und die auch mehr oder weniger starke Ermüdungserscheinungen nach sich zieht.
Da müssen Sie, Frau Mazzoni, schon die Nerven bewahren, wenn der Zug in Bremen durchfährt und ihr Mann nach der Arbeit nicht aussteigt – es kann sein, dass Sie einige Zeit später aus Osnabrück oder Dortmund einen Anruf erhalten, wenn er wieder aufgewacht ist. Eigentlich kann man schon fast die Uhr danach stellen: zwischen 22 und 23 Uhr ist es soweit, da wird ein kurzer Schlaf eingehalten – egal, wo Sie, Herr Weiß-Mazzoni, sich gerade befinden.
Was Euch verbindet, ist sicher auch die Zielstrebigkeit, mit der Ihr Eure Arbeit tut. Sie, Frau Mazzoni, haben immerhin nicht den langen Anfahrtsweg zur Arbeitsstelle, sondern können zu Hause in Bremen als Rechtsanwältin arbeiten.
Ihr Sinn dafür, die Dinge engagiert anzupacken und dann auch richtig und gut zu machen, hat ihnen wohl auch den liebevoll gemeinten Spitznamen „Inspektor Mazzoni“ oder „Frau Oberin“ eingebracht, wie Ihre Freunde Sie manchmal nennen.
Wenn beide arbeiten und in ihrem Beruf erfolgreich sind und aufblühen, dann ist das schön, es erfordert aber auch ein hohes Maß an Koordinierung und Planung, damit die Zeit für gemeinsame Erlebnisse nicht zu kurz kommt. Und diese freie Zeit – meist am Wochende, nutzt Ihr dann, um gemeinsam und mit Freunden viel Spaß zu erleben.
Wir planen viel und fühlen uns sicher, wenn wir möglichst viel berechnen und voraussehen können.
In die Zukunft können wir allerdings nicht schauen. Was in zwei, fünf, in zehn oder zwanzig Jahren sein wird, was wir denken und was wir fühlen werden, das können wir heute noch nicht sagen. Aber wir haben die große Hoffnung, dass es eine gute + fröhliche gemeinsame Zukunft in der Ehe geben wird.
Was eine gute Ehe, eine gute Partnerschaft ausmacht, daran erinnert uns Euer Trauspruch:
„So ist’s ja besser zu zweien als allein. Fällt einer von ihnen so hilft ihm der andere auf.“
Eine gute Ehe braucht ein Gleichgewicht wie beim Wippen auf dem Spielplatz. Wenn einer traurig ist, kommt der andere um ihn zu trösten. Wenn einer müde ist, hält der andere seinen Arm bereit. Wenn einer reden möchte, sind die Ohren des anderen offen und sein Herz zum Verstehen bereit. Wenn einer Widerstand braucht, bietet ihm der andere seine Stirn und Kraft. Wenn einer wissen will, wie es um ihn steht, hält der andere ihm einen Spiegel vor und sagt ihm die Wahrheit. Wenn einer friert, wärmt einer den andern.
Und dies alles geschieht in Liebe zueinander.
Ein gutes Gleichgewicht in der Ehe können wir halten, wenn wir uns die Liebe Gottes zu uns Menschen, wie sie uns in Jesus Christus ein Vorbild gewesen ist, immer wieder vor Augen halten und uns an sein Gebot erinnern, das er uns für das Zusammenleben gegeben hat: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.
Im Vertrauen darauf könnt auch Ihr einander in der Ehe beistehen + aufhelfen. Dann könnt Ihr auch noch in vielen Jahren einander anschauen und sagen: „Ja, zu zweit ist’s besser als allein.“
Vikarin Susanne Kuhrmeyer